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Welttag des Buches 2026

Seitdem er 1995 von der UNESCO ins Leben gerufen wurde, wird jedes Jahr am 23. April der Welttag des Buches gefeiert. An diesem Tag dreht sich alles um Bücher, Geschichten und die Freude am Lesen. Warum der 23. April? Dieses Datum ist, in Bezug auf Literatur, vor allem in Spanien schon deutlich länger wichtig: es ist der Todestag von Miguel de Cervantes, weltweit bekannt vor alle durch sein Werk Don Quijote. Seit 1976 wird in Spanien zudem der Cervantes Literaturpreis vergeben. Auch in Bezug auf einen anderen Schriftsteller gilt der 23. April als bedeutend. Es ist gleichzeitig das Todesdatum von keinem geringeren als William Shakespeare. Der 23. April ist damit prädestiniert für einen Tag der Literatur!

Aktion „Ich schenk dir eine Geschichte“

In Deutschland gehört zum Welttag des Buches eine ganz besondere Aktion: „Ich schenk dir eine Geschichte“. Dabei erhalten Schülerinnen und Schüler der 4. und 5. Klassen ein eigens für den Welttag geschriebenes Buchgeschenk. Ziel ist es, Kinder für das Lesen zu begeistern und ihnen zu zeigen, wie spannend Geschichten sein können. Die Aktion wird gemeinsam von verschiedenen Partnern aus der Buch- und Medienbranche organisiert. Klassen können sich anmelden und ihre Bücher anschließend in einer teilnehmenden Buchhandlung abholen. Oft ist der Besuch mit einer kleinen Führung oder einem Blick hinter die Kulissen des Buchhandels verbunden. So lernen die Kinder nicht nur eine neue Geschichte kennen, sondern auch den Ort, an dem Bücher leben. Ganz nebenbei lernen sie so auch verschiedene Buchhandlungen kennen – auch das ist für Kinder eine wertvolle Erfahrung. Zwischen Streamingdiensten, Social Media und Computerspielen und auch einem ansonsten häufig durchgetakteten Freizeitplan bleibt die Zeit für Bücher nicht selten auf der Strecke. Die Aktion „Ich schenk dir eine Geschichte“ wirkt dabei auf mehreren Ebenen: das kostenlose Buch bietet auch Kindern aus eher bildungsfernen Familien eine Möglichkeit, den Spaß am Lesen zu entdecken. Andererseits ist auch der Besuch in einer Buchhandlung selbst schon ein Erlebnis. Nicht wenige Kinder besuchen zu dieser Aktion erstmalig eine Buchhandlung und entdecken so die Vielfältigkeit von Büchern.

Wie läuft der Besuch bei „zur Heide“?

Im Vorfeld des Welttag des Buches haben die Schulen aus der Umgebung die Möglichkeit, sich im Online-Portal eine Buchhandlung auszusuchen und dort die benötigte Anzahl der Geschenkbücher vorzubestellen. In diesem Jahr waren das bei uns 588 angemeldete Kinder – 24 Klassen von 14 unterschiedlichen Schulen. In den meisten Fällen haben sich die Klassen dann für einen Besuch bei uns in der Buchhandlung angemeldet. Bei uns findet der Besuch dann meistens zwischen 9 und 10 Uhr morgens statt – also vor Ladenöffnung. So haben die Kinder ungestört Zeit, die Buchhandlung zu entdecken. Zum Abschluss bekommen die Kinder dann ihre Bücher.

Die Buchhandlung entdecken, mal ganz anders

In diesem Jahr haben wir erstmals für alle Klassen dasselbe inhaltliche Programm: Auf spielerische Art entdecken die Kinder, wie lang der Weg für ein Buch ist, bis es in den Regalen von Buchhandlungen entdeckt werden kann. Vor allem aber geht es um ein Gefühl dafür, wie viele Menschen an einem Buch so mitarbeiten. Da darf zum Schluss natürlich auch das Thema KI nicht fehlen.

Nachdem sich die Schülis alle einen Platz auf unserem Sofa, auf den dicken Sitzkissen auf dem Boden, oder auf einem Stuhl gesucht haben, beginnen wir mit einer kurzen Begrüßung und zum Warmwerden die Frage: „Wer kann (am frühen Morgen) erklären, was der Unterschied zwischen einer Buchhandlung und einer Bibliothek ist?“ Das klappt in den allermeisten Fällen so gut und so differenziert, dass die Kinder jetzt alle wissen, dass es im Folgenden nur noch um Buchhandlungen gehen wird.

Im nächsten Schritt geht es darum, herauszufinden, was die Kinder für Bücher kennen. Ein Titel, der praktisch allen Kindern in diesem Alter bekannt ist, eignet sich dafür ideal. In unserem Fall ist das meistens „Gregs Tagebuch“. Suchen wir uns also die Expertin oder den Experten der Klasse für diese Art von Buch. Das ist jetzt unsere Autorin (oder unser Autor). Nachdem diese Rolle vergeben ist, machen wir deutlich, dass es nicht nur um ein Buch gehen wird, sondern wahrscheinlich um eine längere Reihe von Büchern. Bei 40 theoretisch geplanten Büchern ist den Kindern sofort klar: allein das Schreiben ist so viel Arbeit, dass man Unterstützung braucht!

Wir benötigen also noch Schülis, die für die Buchreihe dann die Illustrationen übernehmen. Fehler beim Schreiben gehören dazu, sollten aber möglichst nicht mehr im fertigen Buch vorkommen. Wir brauchen also ein Lektorat. Und so geht es weiter mit verschiedenen Teil-Aufgaben. Nach und nach stehen alle Kinder auf, die eine Aufgabe bekommen haben. Am Ende steht dann fast die gesamte Klasse. Manche Aufgaben davon haben die Kinder selbst herausgefunden, auf manche Aufgaben kommen sie nach gezielten Nachfragen. Wir haben dann folgende Aufgaben an die Schülis verteilt:

  • Autor*in
  • Illustrator*in (auch als Team möglich)
  • Verlagschef*in (mit der Frage „Wer möchte Chef sein?“, bekommt man auch Schülis zum Mitmachen, die sonst eher unbeteiligt geblieben wären).
  • Lektorat (Fehler machen ist in Orndung Ordnung, für’s fertige Buch sollten aber alle Fehler entdeckt und verbessert werden. Besser also mehr als eine Person auf die Fehlersuche schicken)
  • Marketing (welche Werbeformen gibt es? Wir brauchen Spezialist*innen für Online, Print, Fernsehen und so weiter)
  • Druckerei (Beispiel eines Fehldruckes wird gezeigt, manchmal haben Kinder auch schon Workshops für Buchbinden gemacht, so dass man da mehr ins Detail gehen kann)
  • Logistik Druckerei -> Verlag (irgendjemand muss jetzt tausende Bücher transportieren, so dass sie auch im Verlag angeschaut werden können)
  • Verlagsvertreter*in (eine schöne Schätz-Frage: wieviele Buchhandlungen gibt es in Osnabrück und in Deutschland?)
  • Logistik Verlag -> Buchhandlungen (Frühaufsteher*innen sind gefragt! Vorteile Mehrwegwannen gegenüber Kartons)
  • Buchhänder*in (muss sich Gedanken machen, wie die Menschen das fertige Buch in der Buchhandlung dann auch finden)

Wenn die Schülis sehr aktiv mitdenken, können noch weitere Aufgaben verteilt werden. Für englischsprachige Ausgaben braucht man natürlich Übersetzer*innen!

Auswirkungen von KI im Buchhandel veranschaulichen

Wenn dann fast alle Kinder stehen und in ihren neuen Rollen sind, ist ein erster Eindruck entstanden, wie viele Menschen an der Entstehung eines Buches beteiligt sind. Wenn dann noch Zeit ist, gehen die Fragen an die Kinder: „Habt ihr schon von KI gehört? und „Was kann man alles mit KI machen?“ (diese Frage darf i.d. Regel die Verlagschefin beantworten). Die Schülis kommen häufig auf sehr viele Dinge von selbst, die zukünftig eine KI machen soll. Fehler suchen? (Lektorat) Macht eine KI. Das Kind mit der Aufgabe „Lektorat“ setzt sich wieder hin. Illustrationen? Macht auch eine KI. Unsere Illustratorin setzt sich wieder hin. Nachdem fast alle Kinder wieder sitzen, bleiben nur noch sehr wenige Aufgaben, die noch ein Mensch übernimmt. Die Verlagschefin entscheidet, dass das Buch auch eine KI schreiben kann? Selbst die Autorin setzt sich wieder hin.

Einerseits verstehen die Kinder jetzt sehr schnell, dass sie jetzt keine Arbeit mehr und entsprechend kein (oder weniger) Geld für Bücher oder sonstige Hobbys haben. Andererseits wird jetzt ein Beispiel aus dem Bücherregal gezogen für den Einsatz von KI. Am Beispiel der Umschlaggestaltung von Frank Schätzigs „Helden“ wird sehr eindrücklich deutlich, warum es doch keine ganz so gute Idee sein könnte, immer weniger Menschen in die Herstellung eines Buches einzubeziehen (Bild siehe unten).

Zum Abschluss können die Kinder sich dann noch (je nach verfügbarer Zeit) einige Minuten in der Buchhandlung umschauen. Manche entdecken dann noch etwas, können uns Fragen stellen. Manche möchten auch noch ein Buch kaufen, so dass noch die Möglichkeit besteht, dass ein Kind unter Aufsicht einmal die Kasse bedienen kann.

Zum Schluss erhalten die Kinder dann natürlich noch ihre Bücher der Aktion „Ich schenk dir eine Geschichte“.

Die Rückseite des Buches "Helden" von Frank Schätzing. Die abgebildete Person ist deutlich sichtbar KI-generiert.

Bild: Rückseite des Buches „Helden“ von Frank Schätzing. Metallringe im Schädel sind eher uncool

(nach Einschätzung einer 5. Klasse)

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