Titelbild: Screenshot NOZ.de abgerufen am 5.6.2026
Vom 27. Mai bis zum 6. Juni gastiert KA.R.L.1 (im Folgenden nur noch KARL geschrieben) in Osnabrück. KARL, das ist die Nachwuchsgewinnungs-Roadshow der Bundeswehr. Die Bundeswehr sucht also Nachwuchs. In der Friedensstadt. Zu einem Zeitpunkt, zu dem offen darüber diskutiert wird, ab wann im hiesigen VW-Werk Rüstungsgüter produziert werden sollen. Das Ganze fand vor dem Theater Osnabrück statt, auf dem Platz der Deutschen Einheit. Neben Info-Containern, die von der Ausstattung her doch einige Klassenzimmer in den Schatten stellen, und einem Betreuungsschlüssel, von dem man in der sozialen Arbeit nicht mal zu träumen wagt, präsentierten sich dort auch ein eindrucksvolles Raketenabwehrsystem „Patriot“ (in den USA hergestellt, aber ist wohl nicht so wichtig) und, man möchte ja möglichst junge Menschen ansprechen, ein Fitness-Parcours.
Schon bevor die Roadshow ihre Zelte Container in Osnabrück aufschlug, schrieb die große und einzige lokale Tageszeitung: „Raketenabwehr zum Anfassen: Bundeswehr fährt in Osnabrück schweres Geschütz auf“2 Besagte Ankündigung liest sich so, also ob eine vorbereitete Pressemitteilung der Bundeswehr, nur minimal ergänzt, unkommentiert übernommen worden wäre. Eine kritische Auseinandersetzung suchte man schon im Vorfeld vergebens. Das sollte sich auch für die gesamte Dauer der Veranstaltung nicht ändern. Die einzigen kritischen Stimmen kamen folglich auch nicht von der Zeitung selbst: in einer Bilder-Galerie wurden zumindest 2(!) Aktivisten abgebildet, ihre Botschaften (Kriegsdienstverweigerung und Umgang mit Veteranen) kürzestmöglich wiedergegeben. Zum Vergleich: allein die Fitness-Geräte und Aufbauten haben dort 6 Bilder bekommen.3 Die NOZ hat sich jedoch in den vergangenen Jahren einen Ruf erarbeitet. Und so folgte, was man bei dieser „Zeitung“ erwarten darf: In dem Moment, in dem die Veranstaltung aktivistisches Kontra erfährt, berichtet die Zeitung kritisch und recherchiert Hintergrundinformationen. Natürlich nicht zu KARL, sondern zur Botschaft, die über Nacht offensichtliche Militarismus-Gegner auf den Containern hinterlassen haben.
Exkurs: Presse als vierte Gewalt.
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Welche Funktion hat die freie Presse in unserer Demokratie?
Das Funktionieren einer Demokratie, in der alle Staatsgewalt vom Volke ausgeht (Art. 20 Abs. 2 GG), setzt voraus, dass dessen Mitglieder über die Informationen verfügen, die sie benötigen, um sich auf rationale Weise eine eigene Meinung zu allen politischen Fragen bilden zu können. Diese Informationen können sie zum größten Teil nur aus den Medien beziehen. Deren Aufgabe besteht deshalb vor allem darin, die erforderlichen Informationen zu beschaffen, auszuwählen und so zusammenzustellen und ggf. kritisch zu kommentieren, dass ihr Publikum sie versteht und sich seine eigene Meinung bilden kann.
Bundeszentrale für politische Bildung4
Die NOZ gibt schon mit der Bezeichnung „Schmierfinken“5 den Ton vor: die Aktivisten sind die Bösen. Kontextualisierung: Fehlanzeige. Und da die Zeitung offensichtlich nicht darüber schreiben will oder kann (schlimmstenfalls beides), haben wir uns die Hintergründe von KARL angeschaut und auch nach Gründen gesucht (und reichlich gefunden), warum jemand es evtl. nicht ganz so toll finden könnte, dass die Bundeswehr in Osnabrück station macht. Hintergrundrecherche nennt man sowas im Pressejargon, gibt es bei der NOZ nicht so häufig, daher an dieser Stelle unser Service.
Rüstungsgüter „made in Osnabrück“
Das VW-Werk in Osnabrück geht auf die traditionsreiche Karosseriebaufirma Karmann zurück, die dort jahrzehntelang Cabrios und Sondermodelle für verschiedene Hersteller fertigte. Nach der Insolvenz von Karmann im Jahr 2009 übernahm Volkswagen den Standort und führte ihn als eigenes Werk weiter. Heute werden dort vor allem Nischenmodelle produziert.
Die Diskussion über eine Umwandlung zum Rüstungsstandort entstand, weil die Pkw-Produktion perspektivisch ausläuft und für die Zeit nach 2027 eine neue Nutzung gesucht wird. Der Rüstungskonzern Rheinmetall bezeichnete das Werk 2025 als „gut geeignet“ für die Fertigung militärischer Fahrzeuge, und VW zeigte sich grundsätzlich offen für entsprechende Gespräche. Allerdings erklärte Rheinmetall 2026, dass eine Übernahme des Werks unter den aktuellen Bedingungen nicht geplant sei.6 Zuletzt wurde auch darüber berichtet, dass ein israelischer Rüstungskonzern sich vorstellen könne, künftig in Osnabrück zu produzieren.7 In Osnabrück gibt es daher zivilgesellschaftliche Stimmen, die die Umwandlung vom Pkw-Hersteller zum Rüstungsstandort kritisch sehen und ablehnen. Das bestehende Werk und die damit verbundenen Arbeitsplätze können auch erhalten werden, indem Fahrzeuge für den ÖPNV produziert werden.8 Das von der Politik vorgebrachte Argument des Erhalts von Arbeitsplätzen ist ein Totschlargument: „Rüstung ist bekanntermaßen eine vergleichsweise schlechte Investition, wenn es um die Förderung der Volkswirtschaft geht. Hier bringen Investitionen in Bildung oder Infrastruktur viel höhere Effekte.“9 Es wird dann wieder heißen: Rüstung in der Friedensstadt? Ja, aber mit Bauchschmerzen, weil es nur darum geht, Arbeitsplätze zu erhalten.
Vorsorglich hat die Stadt Osnabrück sich kürzlich ein neues Stadtlogo gegönnt. Der Zusatz „Die Friedensstadt“ fehlt seitdem im Logo der Stadt10, in der der 1648 maßgeblich der Westfälische Frieden verhandelt und der Dreißigjährige Krieg beendet wurde.
Wiedereinführung der Wehrpflicht aus sicht der Betroffenen und der Wirtschaft
Am 5. Dezember 2025 stimmte der Bundestag für die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht.11 Zuvor war die Wehrpflicht seit dem 1. Juli 2011 ausgesetzt und auf den seit Bestehen der Bundesrepublik Deutschland nicht eingetretenen Spannungs- und Verteidigungsfall beschränkt.12 Dabei soll der Wehrdienst zunächst freiwillig bleiben. „Es gehe zunächst um das Ausfüllen eines Fragebogens und eine „Musterung, die niemandem wehtut“. Zur Ehrlichkeit gehöre aber auch, dass es die Möglichkeit für eine Bedarfswehrpflicht gebe, wenn sich die Bedrohungslage verschlechtert und sich nicht genügen Freiwillige finden. Diese müsse der Bundestag aber gesondert in einem neuen Gesetz beschließen.“13 Gleichzeitig ist vorgesehen, dass es zu zwangsweiser Einberufung kommen wird, sollte die Sollstärke der Bundeswehr nicht durch Freiwilligkeit allein erreicht werden können,14 man spricht von einer „Bedarfswehrpflicht“. In weltpolitisch und wirtschaftlich ohnehin unsicheren Zeiten sorgt diese Regelung dafür, noch mehr Unsicherheit unter jungen Menschen zu schüren. Wer noch vor der Aussetzung Wehrdienst leisten musste, wird sich vielleicht erinnern: Allein das Risiko, dass junge Menschen möglicherweise für den Wehrdienst einberufen werden könnten, sorgt nicht eben dafür, dass Arbeitgeber sie mit Kusshand einstellen. Allerorten wird von Personal- und Nachwuchsmangel berichtet und der Staat reduziert potenziell die Verfügbarkeit junger Menschen für den Arbeitsmarkt. Diese Regelung benachteiligt also vor allem junge Männer und auch die Wirtschaft, denen diese Menschen für einen bestimmten Raum nicht mehr zur Verfügung stehen.
Freiwillig Wehrdienstleistende sollen mit mindens 2600€ brutto entlohnt werden – das entspricht einem Stundenlohn von 15,11€ (bei einer 40-Stunden-Woche). Dabei soll der gesetzliche Mindestlohn ab 2027 schon bei 14,70€ liegen. Freiwillig Wehrdienstleistende werden also nur minimal oberhalb des Mindestlohns entlohnt werden. Zusätzlich sollen sie mit einem Führerschein geködert werden (der heute mehrere tausend Euro kostet).
Blicken wir zurück auf die Zeit vor der Aussetzung des Wehrdienstes: Flächendeckende Praxis war, dass man erst als SaZ (Soldat auf Zeit) einen Pkw-Führerschein bei der Bundeswehr machen konnte. Ein Lkw-Führerschein sogar nur im absoluten Bedarfsfall bei mehrjähriger Verpflichtung. Die Zahl der Personen, die bestenfalls gleich mehrere zivil nutzbare Führerscheine bei der Bundeswehr erwerben konnten, wurde über die Jahre immer niedriger. Auch deshalb sparte die Bundeswehr an der eigenen Ausbildung von Fahrlehrern. Diese konnten in der Vergangenheit nach ihrer militärischen Karriere als Fahrlehrer arbeiten, ohne die notwendige Fahrer-Ausbildung selbst zahlen zu müssen. Diese beiden Faktoren führten (neben anderen Faktoren) langfristig dazu, dass ein Führerschein heute derart teuer ist, dass er überhaupt als Rekrutierungs-Köder für junge Menschen funktioniert.
Zwang zum Reserve-Dienst
Es ist offensichtlich noch nicht ausreichend, dass junge Menschen vor Unsicherheiten hinsichtlich ihrer Zukunft gestellt werden. „Grundsätzlich zählen alle ehemaligen Soldatinnen und Soldaten im wehrfähigen Alter zur Reserve, unabhängig davon, ob sie als Zeitsoldaten oder Wehrpflichtige gedient haben.“15 Kürzlich wurden Planungen öffentlich, auch in Friedenszeiten eine Dienstpflicht für Reservisten einzuführen.16 „Alle, die mindestens sechs Monate freiwilligen Wehrdienst absolviert haben, könnten demnach bis zum Monat ihres 45. Geburtstag herangezogen werden. Wer mindestens ein Jahr Berufssoldat oder Soldat auf Zeit war, könnte bis zum Monat des 65. Geburtstags herangezogen werden.“17. Wer also zwangsweise zum Wehrdienst eingezogen wird, kann im Anschluss bis zum 45. Lebensjahr zu Reservistendiensten herangezogen werden. Zusätzlich gibt die aktuelle Gesetzeslage vor, dass Männer der Altersgruppe von 17 bis 45 Jahren einen längeren Auslandsaufenthalt genehmigen lassen müssen, auch wenn das Ministerium beschwichtigt, dass dies „derzeit“ nicht angewendet wird. Auch das wird gleichermaßen die zwangsweise eingezogenen Wehrdienstleistenden, wie auch deren Arbeitgeber sicherlich nicht gerade erfreuen.
„Zeitenwende“ vs. Abbau des Sozialstaats
Im Jahr 2023 wurde die verteidigungspolitische „Zeitenwende“ verkündet. Dies vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine und der offensichtlichen Notwendigkeit der Bundeswehr.18 Danach heißt es „‚Die Bundeswehr ist der Garant für die Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeit Deutschlands.‘ Das Ziel ist eine kriegstüchtige Truppe.“19 Der damalige Generalinspekteur der Bundeswehr vermerkte im Jahr 2010: „Die Bundeswehr wird kaputtgespart“20. Zu diesem Zeitpunkt war der Rotstift schon mindestens seit dem Ende des Kalten Krieges am Werk. Der noch vorhandene Bestand an Fahrzeugen und Waffensystemen war zu großen Teilen nicht einsatzbereit.21 Auch die Wehrpflicht fiel letztlich dem Spardiktat zum Opfer, da es einfach aufwendig ist, jedes Jahr zehntausende Menschen auszustatten, auszubilden und nach 9 Monaten wieder von vorne zu beginnen. Vorgeblich wegen einer veränderten sicherheitspolitischen Ausgangslage wurde die Wehrpflicht ausgesetzt – ganz nebenbei sparte der Bund aber auch mehrere Milliarden Euro.22
Dann kam das Jahr 2022 und man merkte: vielleicht wurde in der Vergangenheit etwas viel gespart. Also gab es den großen Hammer: Im Handstreich wurde vom Bundestag ein „Sondervermögen“ von 100.000.000.000 Euro beschlossen (Zahl bewusst ausgeschrieben). Da die Politik es als Sondervermögen deklarierte, konnte gleichzeitig die gesetzlich verankerte Schuldenbremse umgangen werden. Für andere Bereiche des Staates gilt diese Schuldenbremse aber weiterhin: marode Infrastruktur, Bildung, Sozialleistungen. Stichwort Infrastruktur: die ist nach jahrzehntelangem Sparen in einem derartig schlechten Zustand, dass im Frühjahr 2025 ein weiteres Sondervermögen von 500.000.000.000 Euro für Infrastruktur beschlossen wurde. Es wurde so lange gespart, bis wirklich gar nichts mehr ging. Geld ist also da, wenn man das möchte. Wenn man das nicht möchte, dann wird eben weiter gespart: So werden in den nächsten Jahren Krankenkassenbeiträge steigen und weniger Leistungen übernommen.23 Kürzungen durch die „Hintertür“ soll es auch bei der Rente geben: die Menschen sollen länger arbeiten, die Rente wird eher nicht mehr.24 Gleichzeitig steigen die Lebenshaltungskosten, allen voran durch hohe Engergiepreise, da die Engergiewende weg von fossilen Energieträgern bewusst nicht vollzogen wurde.25 Das Beispiel Spanien zeigt, dass durch den massiven Ausbau enerneuerbarer Energien die Kosten für Strom im vergleich drastisch gesenkt werden können.26 Auch dadurch wird das spanische Wirtschaftswachstum für 2026 etwa 2% höher liegen als das deutsche.27
Stichwort Sondervermögen: Die GEW rechnet vor, dass allein im Bildungssektor ein Investitionsstau von 130.000.000.000 Euro vorliegt.28 Man könnte jetzt also fragen: Wann kommt das Sondervermögen Bildung? Gibt es da etwa keinen dringenden Bedarf? Im vergangenen Jahr haben 64.000 junge Menschen die Schule ohne Ausbildung verlassen – in manchen Bundesländern liegt die Quote bei 10% der Jugendlichen.29 Das BAFöG soll entgegen des aktuellen Koalitionsvertrags nicht an die real gestiegenen Kosten angepasst werden. „Vollkasko-Studium“ nennt das ausgerechnet die Bildungsministerin, die geschätzt 34.000 Euro monatlich erhält,30 sowie für eine Legislaturperiode Pensionsansprüche, für die ein Durchschnittsverdiener 28 Jahre arbeiten müsste.31 Ein klarer Fall von „Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch Kuchen essen.“32. Ein „Sondervermögen Bildung“, wäre das nicht was?
Bundeswehr – Image vs. Realität – ist das schon Jugendgefährdung?
Fast jede Kommune muss sparen. „Für die Bürgerinnen und Bürger ist die schlechte Finanzlage spürbar. Die Vertreter des Städtetags berichteten von Einsparungen bei Schwimmbädern, Sportvereinen, Bibliotheken oder Museen und bei der Ausstattung von Schulen. Städte müssten Bus- und Bahnlinien streichen, Personal müsse abgebaut werden. Das sorge dann bei Leistungen für längere Bearbeitungs- und Wartezeiten. Der Sparzwang werde ohne Gegenmaßnahmen noch steigen.“33 58% der Zehnjährigen können nicht sicher schwimmen, Tendenz steigend. Dabei sind vor allem Kinder aus ärmeren Familien überproportional betroffen.34 In Deutschland ist mehr als jedes 5. Kind (21%) armutsgefährdet.35
Plakativ gesprochen: öffentliche Sportanlagen fallen dem allgemeinen Sparzwang zum Opfer, während die Bundeswehr einen Fitnessparcours mit Namen KARL in die Innnenstadt stellt. Es sieht so aus, als würde an allem gespart, außer am Militär.
Das Militär als Arbeitgeber ist nicht die sicherste Wahl – bezogen auf das körperliche und geistige Wohl der Bediensteten. Allein die Existenz einer Statistik von im Dienst getöteten Soldaten lässt Rückschlüsse zu, wie gefährlich der Dienst ist.36 Hinzu kommen langfristige psychische Probleme ehemaliger Soldaten: Während offizielle Stellen von deutlich weniger Fällen ausgehen, schätzen Experten nach Bundeswehrstudien, dass bis zu 13.000 Soldatinnen und Soldaten nach Auslandseinsätzen an PTBS leiden.37 Betroffene berichten von zermürbenden Jahren im Kampf gegen die Bundeswehrbürokratie. Häufig wird die Entschädigung zunächst verweigert, was für viele Familien neben dem gesundheitlichen auch ein finanzielles Desaster bedeutet.38 Selbst das Verteidigungsministerium räumt ein, dass es der Bundeswehr an ausreichend Psychologen und Therapeuten mangelt. Wartezeiten von mehreren Monaten sind eher die Regel als die Ausnahme. Die Betroffenen leiden unter extremem Stress: Flashbacks, starke Schlafstörungen, Angstzustände, Schreckhaftigkeit, Konzentrationsprobleme und plötzliche Aggressionen. (Empfehlenswert ist der Podcast des NDR dazu).39 Seit 1957 haben mehr als 3.500 Angehörige der Bundeswehr Suizid begangen. In den Jahren 2010 bis 2020 wurden innerhalb der Truppe 214 Suizidfälle registriert.40 (offizielle Zahlen der Bundeswehr gibt es nicht). Bei jedem anderen Arbeitgeber mit solchen Suizidzahlen wäre das ein beispielloser Skandal, bei der Bundeswehr gehört es wohl dazu.
Vor diesem Hintergrund ist es mehr als kritisch zu sehen, dass die Bundeswehr einen Fitnessparcours zur Unterhaltung öffentlich zur Schau stellt, frei zugänglich für Jugendliche. Eine kritische Begleitung findet vor Ort nicht statt. Stattdessen steht das positive Image von Sport und Abenteuer im Vordergrund – was aber mit der Realität nicht viel gemein hat. Als Informationsveranstaltung in einem pädagogisch begleiteten Rahmen könnte das sicherlich anders sein, so aber grenzt KARL schon an Jugendgefährdung, so dass die eingangs erwähnte aktivistische Intervention durchaus als notwendiger ziviler Ungehorsam41 innerhalb einer demokratischen Gesellschaft betrachtet werden kann.
Literaturempfehlungen rund ums Thema Bundeswehr
Das hier ist ja eigentlich ein Blog mit Literatur. Für dieses Thema sind jedoch aktuelle Quellen unerlässlich und der Buchmarkt kommt da nur mit spürbarer Verzögerung mit. Insbesondere Lehrkräfte haben die Möglichkeit, im schulischen Rahmen verschiedene Berufswege aufzuzeigen. Je sichtbarer die Bundeswehr durch solche Aktionen wird, desto notwendiger ist die Aufklärung darüber, was die Bundeswehr ist und welche Auswirkungen sie auf die Bediensteten hat. Am einfachsten sind Gespräche über dieses Thema. Es geht darum, Jugendlichen Perspektiven aufzuzeigen und Entscheidungen für das eigene Leben aufgrund realistischer Einschätzungen zu treffen. Die folgenden Bücher können dabei für Lehrkräfte argumentative Hilfen darstellen, oder auch Hintergrundinformationen für den Diskurs bieten. Am Ende der Liste sind auch zwei Bücher aufgeführt, die durchaus im Unterricht verwendet werden könnten (ggf. auch in Auszügen).
![]() | Die Sicherheitslüge Zum Inhalt: Europas Sicherheit bleibt trotz Aufrüstung gefährdet. Die Autorinnen fordern energiepolitische Unabhängigkeit durch erneuerbare Energien, um Erpressbarkeit zu beenden und fossile Konflikte langfristig zu überwinden. |
![]() | Verweigert euch! Der Sammelband kritisiert die zunehmende Militarisierung von Gesellschaft und Politik. Er plädiert für antimilitaristische Perspektiven und soziale Bewegungen, die kriegerischer Gewalt widerstehen und für einen gerechten, dauerhaften Frieden von unten kämpfen. |
![]() | Zukunft. Eine Bedienungsanleitung. Das Buch zeigt, wie Menschen Zukunft aktiv entwerfen und gestalten. Anhand von Erkenntnissen aus Neurowissenschaften, Psychologie und Philosophie stärkt Florence Gaub das Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit angesichts globaler Krisen. |
![]() | Leben und sterben lassen Marc Hinzmann berichtet von seinem Einsatz während der Evakuierung Afghanistans 2021. Unter chaotischen Bedingungen musste er über Leben und Fluchtchancen entscheiden und reflektiert diese Erfahrungen eindringlich und selbstkritisch. |
![]() | Kinder – Minderheit ohne Schutz Das Buch kritisiert die Benachteiligung von Kindern und Jugendlichen in einer alternden Gesellschaft. Es analysiert demografische Herausforderungen und fordert politische Reformen, die junge Menschen ins Zentrum gesellschaftlicher Zukunftsgestaltung rücken. |
![]() | Politikzirkus David Nelles analysiert populistische Scheindebatten und Denkfallen, die gesellschaftliche Lösungen blockieren. Mit Studien, Beispielen und über 100 konkreten Ideen zeigt er Wege zu konstruktiven Antworten auf zentrale politische Herausforderungen. Das Buch ist geeignet für den Unterricht |
![]() | Wave and Smile Mit Arne Jysch wendet sich der erste deutsche Zeichner dem Thema Afghanistan zu. Gekonnt erzählt und inszeniert er eine spannende Geschichte in den Wirren des Bundeswehr-einsatzes, die von Freundschaft und Verantwortung handelt. Gleichzeitig vermittelt Arne Jysch dem Leser eine wirklichkeitsgetreue Darstellung des Alltags in diesem fremden Land und was es für einen deutschen Soldaten heißt, dort Dienst zu tun. Das alles schafft er, ohne ideologisch oder belehrend zu sein. Dabei fängt er alle Aspekte des Einsatzes ein – einschließlich der persönlichen Folgen für die Soldaten. Das Buch ist geeignet für den Unterricht (Oberstufe) Dieser Titel ist leider vergriffen und nur noch antiquarisch zu bekommen. Für interessierte Lehrkräfte in Osnabrück können wir ein Exemplar leihweise kostenlos zur Verfügung stellen. |
Zum Schluss – Gruß an die Presse
Der Artikel ist nun etwas länger geworden, dabei hätten es sogar noch sehr viel mehr Themen verdient, in diesem Kontext erwähnt zu werden. KARL spricht gezielt Jugendliche an. Es ist daher unverantwortlich, das unkritisch in der Presseberichterstattung stehen zu lassen, oder sogar als ersten Bericht praktisch nur das zu veröffentlichen, was die Bundeswehr selbst der Redaktion via Pressemitteilung zukommen lässt. Es wäre eigentlich die Aufgabe der Presse, die Aktion der Bundeswehr kritisch zu begleiten. Abgesehen davon bedankt sich der Autor beim Schreiberling der NOZ für das gelungene Revival der Lamas mit Hüten, muss aber um eine Richtigstellung bitten: Die Lamas (Karl und Paul) tragen Hüte, keine Narrenkappen. Es ist zugegeben etwas schwierig eine rote Melone als Hut negativ zu framen, daher ist der verzeifelte Versuch nachvollziehbar.. Zum Abschluss noch zwei Tipps an die Redaktion der NOZ zum Nachlesen: Pressekodex (Stichwort Schleichwerbung) und folgendes:
Berufsethos, das
einzelner oder Gesamtheit der mit der Ausübung eines Berufes verbundenen moralischen Maßstäbe und Ansprüche
aus: Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache42
Über den Autor dieses Beitrags
Der Autor dieses Textes hat Anfang der 2000er seinen Grundwehrdienst absolviert. Trotz Empfehlung für eine weitere Beschäftigung in oliv, folgte dann ein ziviles Studium, das ohne BAföG nicht möglich gewesen wäre. Der Autor ist heute geschäftsführender Gesellschafter eines Unternehmens, das nicht nur subversive Literatur verkauft.
- KA.R.L. steht für „KA.rriereberatung, R.oadshow und L.ounge“ ↩︎
- https://www.noz.de/lokales/osnabrueck/artikel/bundeswehr-macht-werbung-in-osnabrueck-mit-raketenabwehr-patriot-50681438 ↩︎
- https://www.noz.de/lokales/osnabrueck/galerie/bundeswehr-in-osnabrueck-zu-gast-werben-fuer-den-wehrdienst-50696605 ↩︎
- https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/izpb/massenmedien-309/7492/warum-medien-wichtig-sind-funktionen-in-der-demokratie/ ↩︎
- https://www.noz.de/lokales/polizeimeldungen-osnabrueck/artikel/bundeswehr-container-in-osnabrueck-mit-roter-farbe-besprueht-50733984 ↩︎
- https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/osnabrueck_emsland/Rheinmetall-Chef-VW-Werk-in-Osnabrueck-geeignet-fuer-Ruestung%2Crheinmetall348.html?utm_source=chatgpt.com ↩︎
- https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/osnabrueck_emsland/uebernimmt-ein-israelischer-ruestungskonzern-vw-werk-osnabrueck,osnabrueck-662.html ↩︎
- https://rausmetall.org/ ↩︎
- https://www.capital.de/wirtschaft-politik/ruestung–waffen-sind-gut-fuer-die-verteidigung–nicht-fuer-die-wirtschaft-35047328.html ↩︎
- https://www.osnabrueck.de/de/ vergleiche mit altem Logo: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/96/Osnabr%C3%BCck_-_Die_Friedensstadt_logo_%282024%29.svg ↩︎
- https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2025/kw49-de-wehrdienst-1128220 ↩︎
- https://www.bundestag.de/webarchiv/textarchiv/2011/33831649_kw12_de_wehrdienst-204958 ↩︎
- https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2025/kw49-de-wehrdienst-1128220 ↩︎
- https://www.bmvg.de/de/neuer-wehrdienst ↩︎
- https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/reform-der-reserve-ehemalige-sollen-bundeswehr-verstaerken,VKvg5Hw ↩︎
- https://www.sueddeutsche.de/politik/bundeswehr-reservisten-dienstpflicht-frieden-li.3490463 ↩︎
- ebd. ↩︎
- https://www.bmvg.de/de/themen/sicherheitspolitik/zeitenwende ↩︎
- ebd. ↩︎
- https://www.ardmediathek.de/video/morgenmagazin/bundeswehr-verteidigungsfaehigkeit-wegen-reparaturstatus-gefaehrdet/wdr/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLXNvcGhvcmEtN2U5YTJlZjUtMDQ1Mi00ZWY3LTk5M2MtZmEwYzhkNjU2OGQ1 ↩︎
- https://rp-online.de/politik/deutschland/geheimbericht-waffensysteme-der-bundeswehr-oft-nicht-einsatzbereit_aid-37501583 ↩︎
- https://www.deutschlandfunkkultur.de/zehn-jahre-aussetzung-der-wehrpflicht-einmal-weg-immer-weg-100.html ↩︎
- https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/sparpaket-krankenkassen-100.html ↩︎
- https://www.t-online.de/finanzen/ratgeber/altersvorsorge/gesetzlicherente/id_101282836/rente-kuerzungen-durch-reformen-was-wirklich-erlaubt-ist.html ↩︎
- https://www.focus.de/earth/analyse/studie-zeigt-wenn-wir-die-energiewende-verschlafen-wird-strom-50-prozent-teurer_id_260557416.html ↩︎
- https://www.zeit.de/wirtschaft/2026-04/energiepreise-spanien-energiewende-strom-pedro-sanchez ↩︎
- https://de.statista.com/statistik/daten/studie/14553/umfrage/wachstum-des-bruttoinlandsprodukts-in-spanien/ ↩︎
- https://www.gew.de/presse/pressemitteilungen/detailseite/gew-130-milliarden-euro-fuer-bildung ↩︎
- https://correctiv.org/aktuelles/bildung/2026/05/20/neuer-hoechststand-bei-schulabgaengern-ohne-abschluss/ ↩︎
- https://www.fr.de/politik/so-viel-verdient-dorothee-baer-als-ministerin-mehr-gehalt-als-soeder-zr-93834921.html ↩︎
- https://www.n-tv.de/politik/Bundestagsabgeordnete-erhalten-nach-vier-Jahren-so-hohe-Altersbezuege-wie-Arbeitnehmer-nach-28-Jahren-id30898638.html ↩︎
- das Zitat geht zurück auf Jean-Jacques Rousseau, Bekenntnisse, Band VI. verfasst 1765–1770 und veröffentlicht 1782 (‚Brioche‘ ist eine französische Backware, die dem deutschen Stuten ähnlich ist. Die Übersetzung mit ‚Kuchen‘ ist also nicht ganz korrekt. Dennoch wird sie gerne genutzt, um den vermeintlich negativen Charakter der Marie Antoinette im Kontext der Französischen Revolution zu unterstreichen.) ↩︎
- https://www.tagesschau.de/wirtschaft/finanzen/kommunen-finanzen-schuldenbremse-sparen-100.html ↩︎
- https://dslv-saar.de/immer-mehr-grundschueler-nichtschwimmer/ ↩︎
- https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/Projekte/Familie_und_Bildung/Factsheet_BNG_Kinder-_und_Jugendarmut_2023.pdf ↩︎
- https://de.statista.com/statistik/daten/studie/4892/umfrage/anzahl-der-in-ausuebung-des-dienstes-getoeteten-soldaten-in-der-bundeswehr/ ↩︎
- https://www.ndr.de/der_ndr/presse/mitteilungen/Traumatisierte-Einsatzveteranen-kaempfen-um-Anerkennung-und-Entschaedigung-durch-Bundeswehr,pressemeldungndr25134.html ↩︎
- https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/panorama/archiv/2025/Kriegstuechtig-Ausser-Panzern-fehlen-auch-Psychologen,ptbs140.html ↩︎
- https://www.ndr.de/nachrichten/info/epg/killed-in-action-trauma-bundeswehr,sendung-49576.html ↩︎
- https://de.statista.com/statistik/daten/studie/4846/umfrage/selbstmorde-in-der-bundeswehr/ ↩︎
- https://verfassungsblog.de/ziviler-ungehorsam-als-demokratie/ ↩︎
- https://www.dwds.de/wb/Berufsethos ↩︎







