Seit Bundeskanzler Friedrich Merz mehr Arbeit und längere Lebensarbeitszeiten1 zur nationalen Zukunftsvision erklärt hat, stellt sich eine drängende Frage: Beginnen wir mit der Vorbereitung auf’s Berufsleben vielleicht einfach zu spät? Wenn es für manche Berufsgruppen ohnehin unrealistisch ist, bis zum 67. Lebensjahr zu arbeiten, warum fangen wir dann nicht einfach früher an zu arbeiten? Warum bis zur Berufsschule oder Uni warten, wenn man den Nachwuchs schon im Kita-Alter mit den Grundlagen von Arbeit, Geld und Wirtschaft vertraut machen kann? Wer früh lernt, dass Freizeit ein überschätztes Konzept und Produktivität eine Tugend ist, startet schließlich mit den besten Voraussetzungen in ein langes und erfülltes Berufsleben – frei nach dem Motto „Ich arbeite gern für meinen Konzern“2. Zeit für einen satirischen Überblick über Kinderbücher für einen Kickstart ins Berufsleben!
Thema: Arbeit

Barbara Drobny – Wo Pinguine arbeiten (ab 4 Jahre)
Während Francesca es liebt, mit ihrem Bus durch die Stadt zu düsen, schrubbt Beppo gern die Duschen im Schwimmbad. Karla weiß immer als erste, wo etwas Spannendes passiert, und schreibt darüber für die Zeitung. Eike und Henrik kennen sich bestens mit Büchern aus, aber auch Raffi liest den Kindern in der Kita gern vor. So verschieden die insgesamt 27 Berufe sind, eins haben sie alle gemeinsam: Sie werden von den Pinguinen mit Begeisterung ausgeübt. Barbara Drobny ist ein unfassbar detailreiches und witziges Wimmelbuch gelungen, in dem man nicht nur viele Berufsfelder kennenlernt, sondern auch zahlreiche Geschichten – und über 80 Bananen (!) – entdecken kann.
Bewertung: Top! Die Pinguine zeigen unglaublich viele Facetten des Berufslebens, bewahren kühlen Kopf auch in stressigen Situationen. So produktiv, da gibt es auch vom Kanzler eine Flosse hoch! 3 von 3 Geldkoffern.


Torben Kuhlmann – Lindbergh (ab 5 Jahre)
In Hamburg lebt eine außergewöhnliche kleine Maus. Eines Tages bemerkt sie, dass es gefährlich geworden ist, da wo sie wohnt. Überall lauern Mausefallen und Katzen. Nach und nach verschwinden ihre Mäusefreunde. Aber wohin sind sie geflüchtet? Nach Amerika? Die kleine Maus beschließt, den weiten Weg über den Atlantik zu wagen. Nächtelang bastelt sie an einem Flugzeug. Ein wildes Abenteuer nimmt seinen Anfang!
Bewertung: Der Einfallsreichtum der Maus ist beachtlich! Unbeirrt und entgegen aller Widerstände tut sie alles dafür, in einem selbstgebauten Flugzeug den Atlantik zu überqueren. Dieser Unternehmergeist ist vorbildlich. Leider etwas zu kurz gedacht. Hätte das Flugzeug mehr Sitzplätze (mit möglichst wenig Beinfreiheit), wäre diese Unternehmung deutlich wirtschaftlicher. Daher gibt’s nur 2 von 3 Geldkoffern.


Alexander Steffensmeier – Lieselotte macht Urlaub (ab 5 Jahre)
Ein Urlaubsabenteuer mit Lieselotte! Der Postbote macht Urlaub und schreibt Lieselotte eine Ansichtskarte. ‚Ferien machen, das will ich auch‘, denkt Lieselotte, packt ihre Reisetasche und trabt zur Bushaltestelle. Als nach Stunden immer noch kein Bus kommt, trottet Lieselotte enttäuscht wieder in Richtung Hof. Aber schon nach ein paar Schritten entdeckt sie das perfekte Urlaubsziel: eine große Wiese. Hier hat Lieselotte jede Menge Ferienspaß. Auf dem Hof dagegen wird Lieselotte schon vermisst. Denn die Vorbereitungen für das Sommerfest laufen auf Hochtouren. Lieselottes Bilderbuch-Abenteuer zum Vorlesen für Kinder ab 4 Jahren: kunterbunte, wimmelige Bilder und lustige Geschichten laden zum Entdecken, Zuhören und Kichern ein. Absolute Bilderbuchklassiker und Lieblingsbücher für Kindergartenkinder und große Lieselotte-Fans!
Bewertung: Das böse U-Wort! Ein einziger unternehmerischer Albtraum. Denk‘ doch mal jemand an die Wirtschaft… wo bleibt da der Unternehmerinnengeist? Lieselotte ist gerade erst 20 Jahre alt geworden, da braucht es eigentlich noch keinen Urlaub. Für so ein schlechtes Vorbild für Produktivität gibt es nur 1 von 3 Geldkoffern.

- https://www.wiwo.de/politik/deutschland/arbeitsleistung-in-deutschland-so-will-friedrich-merz-sie-erhoehen/100192058.html ↩︎
- Ein Zitat des großen Denkers unserer Zeit, Marc-Uwe Kling ↩︎
