Wir sind eine kleine Buchhandlung und betreiben neben unserer Buchhandlung auch seit langem einen Online-Shop. Als wir gehört haben, dass mit Wero eine europäische Alternative zu PayPal aufgebaut werden soll, fanden wir die Idee sofort interessant. Eine europäische Bezahllösung, die nicht von amerikanischen Konzernen abhängig ist und die Kundendaten nicht über ausländische Server verarbeitet? Das würden wir als Händler gerne unterstützen. Daher haben wir schon vor der Einführung von Wero (was zunächst für Privatpersonen startete) unser Interesse bei unserer Hausbank hinterlegt. Als dann auch Wero für Geschäftskunden angeboten wurde, erneuerten wir unser Interesse – und erhielten eine ernüchternde Antwort.
Fixkosten als KO-Kriterium für kleine Online-Shops
Also haben wir unsere Hausbank gefragt, was die Einbindung von Wero in unseren Online-Shop kosten würde. Die nachfolgende Antwort war für uns allerdings ernüchternd (nicht nur aufgrund grammatikalischer Schwächen):

Ein Angebot ohne monatliche Fixkosten könne man uns demnach nicht machen. Die Grundgebühr liegt dabei sogar höher als das, was wir derzeit bei PayPal an rein umsatzabhängigen Kosten bezahlen.
Für ein großes Unternehmen mag eine solche Grundgebühr kaum ins Gewicht fallen. Für eine kleine Buchhandlung sieht das anders aus. Bei PayPal entstehen Kosten im Wesentlichen dann, wenn tatsächlich ein Kunde über PayPal bezahlt. Im Umkehrschluss: ohne Umsatz auch keine Kosten. Bei Wero müssten wir dagegen jeden Monat eine feste Gebühr bezahlen – unabhängig davon, ob unsere Kunden Wero überhaupt nutzen. Gerade bei einem neuen Bezahlsystem ist das ein erhebliches Risiko. Woher sollen wir wissen, wie viele Kunden in den nächsten Monaten damit bezahlen werden? Das Risiko der Markteinführung gibt Wero somit an die Händler weiter. So kann man es natürlich auch machen und sich dann wundern, warum die neue Zahlungsoption auf eher überschaubares Interesse stößt und nicht in der Breite ankommt.1
Allein aufgrund der Kosten könnte man jetzt überlegen, ab wann sich das für uns als Buchhandlung rechnen würde. Und ob man in den finanziellen „sauren Apfel“ beißt, um eine europäische Zahlungsdienstleistung zu unterstützen. Über unseren Online-Shop können in erster Linie Bücher zur Abholung bestellt werden. Das haben wir deshalb so gestaltet, da die Zahlung vor Ort für uns deutlich niedrigere Gebühren bedeutet gegenüber Online-Zahlungen. Aus diesem Grund werden in unserem Onlineshop überwiegend E-Books verkauft und online bezahlt (aktuell wie gesagt nur via Paypal2). Die Marge, die eine Buchhandlung an E-Books verdient, ist durchschnittlich ohnehin deutlich niedriger als bei gedruckten Büchern. Davon würde dann noch ein nicht geringer Teil an den Zahlungsdienstleister Wero gehen. Die Fixkosten verteilen sich dabei dann auf absehbar zu wenige Kund:innen und machen das System aus Händlersicht denkbar unattraktiv.
Wero nicht für digitale Produkte – Willkommen im 21. Jahrhundert!
Fast schon erschreckend war die Rückmeldung auf unsere Anfrage, dass Wero nicht für die Abwicklung digitaler Produkte genutzt werden kann. Wie oben beschrieben, wäre das für uns sogar die Hauptnutzung. Mit dieser Einschränkung macht das sogar noch weniger Sinn aus unserer Sicht. Mal angenommen, wir würden Wero trotzdem nutzen wollen. Wer erklärt dann unseren Kunden, dass sie zwar gedruckte Bücher über Wero bezahlen könnten, digitale Bücher aber nicht? Dabei scheint das keine grundsätzliche technische Einschränkung von Wero zu sein: In der technischen Dokumentation werden digitale Güter ausdrücklich als möglicher Anwendungsfall genannt. Es handelt sich scheinbar um eine Einschränkung für unseren konkreten Fall.
schade eigentlich
Wir würden Wero eigentlich gerne anbieten. Wir finden eine europäische Zahlungsalternative sinnvoll und würden unseren Teil dazu beitragen. Aber ein kleiner Händler kann nicht das wirtschaftliche Risiko einer Markteinführung übernehmen. Wenn wir jeden Monat für eine Zahlungsart bezahlen sollen, deren Verbreitung erst noch aufgebaut werden muss, während PayPal nur bei tatsächlicher Nutzung Kosten verursacht, fällt die Entscheidung leider leicht. Hinzu kommt: unsere Hausbank, die an dieser Zahlungsdienstleistung mitverdienen würde, ist kein gemeinnütziges Unternehmen bei dem wir guten Gewissens jeden Monat einen Extra-Beitrag für eine gute Sache zahlen würden. Natürlich möchte sie da Geld verdienen, auch wenn es hier um die Markteinführung eines Produktes geht, von dem sie langfristig sehr profitieren könnte. Stattdessen wird generell der Service immer mehr zurückgefahren und selbst Bargeldeinzahlungen kosten neuerdings eine vergleichsweise hohe Gebühr.3 Bei den wenigesten Produkteinführungen verdient man dabei von Anfang an. Ziel muss es sein, das Produkt für möglichst viele Menschen bekannt und attraktiv zu machen. Genau so ist im Übrigen auch PayPal groß geworden: PayPal wurde erfolgreich, weil der Dienst das Bezahlen im Internet für Kunden und Händler deutlich einfacher machte und früh auf eine große Verbreitung setzte. Ein entscheidender Faktor war, dass PayPal für Käufer kostenlos war und Händler nur bei tatsächlichen Transaktionen Gebühren zahlten. Am zweiten Punkt scheitert Wero krachend und wird es so schwer haben gegen die etablierte Konkurrenz.
Dann wohl doch keine Alternative zu Paypal. tja.
Wenn Wero wirklich eine Alternative zu PayPal werden soll, sollte der Einstieg gerade für kleine Händler möglichst einfach und risikoarm sein: geringe oder keine Fixkosten und möglichst wenige Einschränkungen beim Verkauf ganz normaler Produkte (also auch digitaler).
Denn am Ende entscheidet nicht die politische Zielsetzung über den Erfolg eines Bezahlsystems, sondern die ganz praktische Frage im Online-Shop: Lohnt es sich für uns als Händler, Wero anzubieten? Wenn die Antwort für uns als Buchhandlung lautet „Nein“, dann wird Wero es schwer haben, eine echte Alternative zu PayPal zu werden. Und das wäre eigentlich schade – denn an der Idee einer europäischen Zahlungslösung liegt es nicht. An den Rahmenbedingungen schon. Ein schönes Beispiel dafür, wie man die Markteinführung eines echten Konkurrenten von PayPal nicht machen sollte.
- https://t3n.de/news/wero-paypal-alternative-probleme-bekanntheit-haendlerakzeptanz-1758564/ ↩︎
- Anmerkung: bis vor einigen Jahren konnten wir als Alternative noch Klarna (Sofortüberweisung) anbieten. Dieser Zahlungsdienstleister hat aber den Vertrag mit uns aufgrund niedriger Umsatzzahlen gekündigt. ↩︎
- https://hasepost.de/enttaeuschter-achtjaehriger-moechte-die-sparkasse-osnabrueck-am-taschengeld-mitverdienen-651931/ ↩︎